Musik in Köln
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Initiativkreis Freie Musik (IFM)

Zur Lage der Alten Musik in Köln

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Abstract: Schon zu Beginn der Bewegung der historischen Aufführungspraxis in den 1950er Jahren etablierte sich Köln dank zahlreicher international bekannter Musiker, Ensembles und Veranstalter als deutsches Zentrum der Alten Musik. Begründet wurde und wird dieser Ruf vor allem durch freischaffende Musiker. Während diese außerhalb Kölns oft nationales und internationales Ansehen genießen, verschlechterte sich ihre Situation in Köln in den letzten Jahren zunehmend, weil sich Veranstalter zurückzogen, geeignete Spielstätten fehlen und die finanzielle Ausstattung mangelhaft ist, so dass in Köln immer weniger Konzerte mit Alter Musik stattfinden.

Die Bedeutung der Alten Musik

Die Musikstadt Köln kann ohne Zweifel auch die Stadt der Alten Musik in Deutschland genannt werden. Musikfachleute im In- und Ausland verbinden mit Köln neben Orten und Ensembles des Jazz und der neuen Musik zuerst Namen wie Musica Antiqua Köln, Sequentia, Cantus Cölln, Concerto Köln, Andreas Staier... Die Reihe ließe sich mit vielen klingenden und international bekannten Namen weiter fortsetzen. Die Alte Musik in Köln präsentiert auf höchstem, international angesehenem Niveau das gesamte Spektrum von mittelalterlicher Musik bis hin zu Aufführungen romantischer Musik im Klanggewand ihrer Zeit.

Dies kommt nicht von ungefähr. Die Tradition der Alten Musik im Sinne der historischen Aufführungspraxis hatte ihre Anfänge in Köln bereits in den 1950er Jahren, also bereits zu Beginn der gesamten Bewegung. Damals engagierte sich der WDR sowohl mit einer hauseigenen Ensemblegründung, der Capella Coloniensis, als auch bei zahlreichen Produktionen mit Musikern aus dem In- und Ausland. So entstanden ein Klima und ein Nährboden für die Ästhetik der Alten Musik, die immer mehr Musiker nach Köln zogen und sich hier ansiedeln ließ.

Unter dem Einfluss des Alte Musik-Diskurses veränderte sich die Szene der freischaffenden Musiker in Köln völlig. Wollte sich ein Student eines Streichinstruments an der Kölner Musikhochschule neben seinem Studium ein Zubrot verdienen, musste er schon in den 1980er Jahren das Spiel auf Darmsaiten beherrschen. Inzwischen ist Literatur bis einschließlich Johann Sebastian Bach bundesweit fast gänzlich aus dem Repertoire städtischer Orchester verschwunden. Sie wird fast ausschließlich nur noch von Spezialensembles gepflegt. Sogar in Opernhäusern findet man zunehmend Produktionen aus dem Opernrepertoire der Alten Musik, die teilweise nicht mit den eigenen, fest bestallten Orchestern, sondern von Spezialistenensembles aufgeführt werden.

Um den Jahrtausendwechsel hat sich leider das Engagement des WDR nicht nur, aber eben auch besonders im Bereich der Alten Musik stark verringert. Es gibt wesentlich weniger Produktionen oder Co-Produktionen in diesem Bereich. Betroffen sind besonders Projekte mit Musikern aus Köln. Die Capella Coloniensis gar wurde gänzlich vom WDR abgenabelt und als Orchester in die „Freelancer-Szene” entlassen. Bereits jetzt zeigt sich, dass das große romantische Repertoire – vormals eine Domäne der Capella – als Position der historischen Aufführungspraxis so durch die merkantilen Bedingungen des Marktes eingeschränkt ist, dass dieser Bereich im Repertoire des Orchester fast überhaupt nicht mehr zum Tragen kommen kann.

Probleme und Schwierigkeiten

Bezeichnenderweise handelt es sich bei all den in Köln ansässigen Gruppierungen und Initiativen nicht um hoch subventionierte oder sogar städtisch angebundene Musiker, sondern tatsächlich um Mitglieder der freischaffenden Musikszene. Diese tragen zwar den Namen Kölns in die ganze Welt und zahlen in Köln ihre Steuern, haben aber oftmals nicht einmal einen Spielort in ihrer Heimatstadt. Das liegt zum einen daran, dass die für groß besetzte Orchester konzipierte Kölner Philharmonie nicht für jede Musikart der geeignete Aufführungsort ist. Für viele Ensembles schließt dies zugleich die Möglichkeit aus, selbst als Veranstalter auftreten und das volle finanzielle Risiko tragen zu müssen. Dennoch versuchten vereinzelte Aktivitäten immer wieder, solche Möglichkeiten zu nutzen, z.B. die Reihe des Bach-Vereins, die im Zuge einer Umstrukturierung des Vereins nach Jahren jedoch aufgegeben werden musste. Unternommen wurden sogar fast private Versuche, sich ein eigenes Forum zu schaffen. So organisierte zum Beispiel Christoph Spering ein dreitägiges Festival mit Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy und initiierte Concerto Köln zusammen mit dem Deutschlandfunk die Festtage Alter Musik in Köln.

Seit 1998 gibt es wieder eine eigene Konzertreihe für die Alte Musik in Köln, das Forum Alte Musik Köln in Zusammenarbeit mit der Stadt Köln und dem Deutschlandfunk, in dessen Kammermusiksaal im Funkhaus am Raderberggürtel alle Konzerte mitgeschnitten und, durch einen Moderator aufbereitet, zeitversetzt deutschlandweit gesendet werden. Dank Mitteln des Landes NRW scheint der Fortbestand dieser Reihe inzwischen gesichert, während die zu Ostern stattfindenden „Feste Musicali” vorwiegend mit Barockmusik nur wenige Jahre gehalten werden konnten. Kontinuierlich Alte Musik in den romanischen Kirchen der Stadt präsentiert seit 1988 das jährliche Festival Romanischer Sommer, oft in programmatischen Verbindungen mit Neuer Musik. Als jüngste Initiative sei die Zusammenarbeit von Musica Antiqua Köln und Kölner Oper genannt. Das Spezialistenensemble bespielt in der Saison 2002/03 achtmal das Foyer des Opernhauses. Allerdings musste auch diese Reihe eingestellt werden. All diese Aktivitäten zeigen in die richtige Richtung. Aber angesichts der Vielfalt der Szene sind sie in ihrer Vereinzelung nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Im Vergleich zu anderen Musikstädten der europäischen Nachbarländer hat Köln im Bereich der Alten Musik an Boden verloren, zumal in der Domstadt ein international ausstrahlendes Festival für diese Musiksparte fehlt.

Zum Problem der Spielorte kommt die finanzielle Sicherung von Ensembles. Oftmals handelt es sich um größer besetzte Formationen, die wie ein Opernorchester eine funktionierende Organisationsstruktur brauchen. Das erfordert Geld und Personal. Auf diesen Punkt zielt auch das Musikförderkonzept, das die Stadt Köln in Verbindung mit der freien Musikszene erarbeitet hat und das nach seiner Verabschiedung durch den Rat der Stadt Köln jetzt umgesetzt werden muss. Denn nur durch langfristige Strukturfördermaßnahmen, die über einzelne Projekte hinausgehen, lässt sich der Bestand der Alten Musik in der Musikstadt Köln sichern und weiterentwickeln. Ein hochkarätiger Edelstein braucht auch eine angemessene Fassung.

Maria Spering (Forum Alte Musik)

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21. bis Fr. 23. Juni 2017
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Während der längsten Tage des Jahres widmet sich der Romanische Sommer in diesem Jahr dem Thema Licht. Wie dieses besitzt auch die Musik eine Doppelnatur aus Welle und Materie zugleich. Schall erfahren wir unmittelbar körperlich, und doch bleibt er ungreifbar. Und wir beschreiben wir Klänge als hell oder dunkel. Auch die beim Festival bespielten romanischen Kirchen der Stadt kennen zahllose Schattierungen von Licht; spirituelles Halbdunkel und die Dramaturgie der zu den Tages- und Jahreszeiten auf besondere Orte einfallenden Sonne. Weiterlesen...
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