Musik in Köln
Ein Projekt des initiativkreises freie musik (ifm) …




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Initiativkreis Freie Musik (IFM)

Zur Freien Musikszene in Köln
im Bereich der Neuen Musik

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Abstract: Kölns Ruf als Musikstadt gründet sich neben den großen städtischen und Landes-Institutionen vor allem auf die Größe und Vielfalt der Freien Musikszene. Deren verschiedene Sparten besaßen seit den 1950er Jahren mit ihren innovativen, teils interdisziplinären, teils experimentellen Ansätzen internationale Ausstrahlung und starke Anziehungskraft auf auswärtige Musiker. Die in Köln über Jahrzehnte gewachsenen künstlerischen Ressourcen, musikalischen Netzwerke und Organisationsstrukturen sowie die hier – etwa im Bereich der Neuen Musik – vorgenommenen musikalisch-technischen Entwicklungen waren und sind wichtige Standortfaktoren, die seit den 1990er Jahren durch finanzielle Streichungen und personelle Abwanderungen gefährdet wurden. Erst in jüngster Zeit zeichnet sich wieder eine Trendwende zum Besseren ab.

Die Bedeutung der Neuen Musik für Köln

Beim Schlagwort „Musikstadt Köln” mögen viele zuerst an Philharmonie, WDR, Gürzenich-Orchester und Opernhaus denken. Die charakteristische „Musik-farbe” dieser Stadt lässt sich aber gerade nicht am Repertoirebetrieb großer Häuser fest-machen; sie entsteht erst durch die Freien Initiativen, für die Köln international bekannt wurde. Als Beispiele hierfür stehen auch Spielstätten wie LOFT, Stadtgarten, Alte Feuerwache, Altes Pfandhaus, Kunst-Station Sankt Peter und viele andere. Gerade interdisziplinäre Grenzgänge zu Theater, Tanz, Literatur, Bildender Kunst und Multimedia, Experiment und Improvisation entstehen im Musikbereich fast ausschließlich bei freien Initiativen. Sie werden im Vergleich zu anderen Kultursparten aber nur extrem schwach öffentlich gefördert. Betrachtet man die Budgets von Kunst-, Tanz- und Theaterszene, so stellt man einen erheblichen Unterschied fest.

Dabei ist der Musikbereich in Köln am vielseitigsten: Kölns Freie Musikszene ist schon seit den 1960er Jahren unbestrittener Anziehungspunkt für in- und ausländische Musiker. Die Dokumentation des Kulturamts Freie Musik in Köln listete 1995 allein über 100 Ensembles auf, die sich ausschließlich neuer improvisierter oder komponierter Musik widmen. Die großen Bereiche Alte Musik, Jazz, Chormusik, Unterhaltungs- und Laienmusik usw. sind hierbei noch gar nicht berücksichtigt.

Die Neue Musik war und ist in Köln typischerweise Brut- und Forschungsstätte für Entwicklungen, die breite Außenwirkung besitzen; diese reicht weit über die Grenzen von Stadt, Land und Deutschland hinaus. Aufwendungen für die Neue Musik entpuppen sich dabei häufig genug als mittel- und lang-fristige Zukunftsinvestitionen. Wenn sich heute Teenager einen Synthesizer kaufen, denken sie nicht an das Studio für Elektronische Musik des WDR, nicht an Künstler wie Herbert Eimert oder Karlheinz Stockhausen, die dort in den 1950er Jahren angefangen haben, mit Oszillatoren und Filtern Musik zu machen. Der Einsatz des Computers als Musikinstrument und kompositorisches Handwerkszeug wurde hier wie in kaum einer anderen Kunstgattung vorangetrieben. Gottfried Michael Koenig als früher Pionier, später Klarenz Barlow oder Georg Hajdu, gelten heute als international führende Kapazitäten.

Die Beispiele zeigen, wie die Neue Musik von Köln aus Entwicklungen bestimmte, deren Ergebnisse heutzutage im Bereich der Popmusik internationaler Standard sind. Die musikalische Arbeit der freien Initiativen hat zudem weitreichende Netzwerke zwischen den Beteiligten geknüpft, was 1997 in einer soziologischen Studie der Universität erforscht und eindrucksvoll bestätigt wurde. Solche natürlich gewachsenen Kooperationsstrukturen stellen ein zukunftsweisendes Modell für viele gesellschaftliche Bereiche dar. Sie sind ein nicht zu unterschätzender, aber besonders gefährdeter Standortfaktor.

Kampf ums Überleben

Die „Kölner Gesellschaft für Neue Musik” (KGNM), ein bereits 1921 erstmals gegründeter Bürgerverein zur Förderung der Neuen Musik, nimmt für die zeitgenössische Musikszene in Köln zentrale Aufgaben in den Bereichen Information, Dokumentation und Veranstaltung wahr, nicht zuletzt mit der Herausgabe einer zweimonatigen Vorschau über Termine mit neuer Musik. Darüber hinaus unterstützt die KGNM den interdisziplinären Dialog und fördert junge Komponisten. Der Verein kann sein vorwiegend ehrenamtliches Engagement aber nur fortsetzen, solange es die Rahmenbedingungen erlauben, wie sie bislang ein städtischer Betriebskostenzuschuss gewährleistet.

Bis hinein in die 1980er Jahre war zweifellos der WDR der maßgebliche Verbündete von Komponisten und Interpreten. Heute unterwirft sich der Sender zunehmend dem Quotendiktat. Damit verliert eine ganze Musikergeneration ihr wichtigstes Podium. Doch bislang springt niemand dafür ein. Industriesponsoring kann die klaffende Lücke nicht einmal ansatzweise schließen. Die Freie Musik ist von Zeiten knapper öffentlicher Kassen einschneidend betroffen, ohne dass das hierbei Gesparte eine effektive Haushaltserleichterung erbrächte, während die Millionen-Etats der großen Institutionen weitgehend unangetastet bleiben oder sogar aufgestockt werden.

Die über Jahrzehnte gewachsene Freien Szene Kölns braucht eine finanzielle Grundsicherung, die in manchen Bereichen nicht mehr gegeben ist, wo die Grenze zur Selbstausbeutung überschritten wurde. Im Laufe der 1990er Jahre und zu Beginn des neuen Jahrhunderts hatten sich die Rahmenbedingungen so verschlechtert, dass es zu Abwanderungen in andere Städte kam: in die besser geförderten Zentren im süddeutschen Raum (Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg), nach Belgien oder in die Niederlande. Trocknet die Freie Musikszene finanziell aus, werden Kölns künstlerische Ressourcen auf unabsehbare Zeit blockiert und zerstört. Die finanzielle Sicherung der gesamten Freien Szene ist kein Almosen, sondern eine wichtige Standortsicherung. Es liegt im ureigensten Interesse der Medien- und Musik-stadt Köln, die zukunftsweisenden medialen Ansätze der Freien Musikszene in der Stadt zu halten und deren Perspektiven angemessen zu fördern.

Signale an die Zukunft

Nach einer ausgedehnten Durststrecke um die Jahrtausendwende, gibt es nun wieder erste Ansätze, die freien Akteure der Neuen Musik in Köln angemessener zu unterstützen. Ohne das Förderprogramm der Köln-Bonner Sparkassenstiftung wäre es in den letzten Jahren um die Förderung der gesamten Bandbreite der freien künstlerischen Szenen Kölns schlecht bestellt gewesen. „ON – Neue Musik Köln” ist eine 2008 gegründete Kooperative von 35 Kölner Ensembles, Veranstaltern und Ausbildungsinstitutionen, die sich durch eigene Konzertreihen, Fortbildungsangebote, Kinder- und Jugendprojekte, Werkstätten und einem eigenen ON-Magazin der Vermittlung Neuer Musik widmet. Gefördert wird dieses Netzwerk von der Kulturstiftung des Bundes, der Stadt Köln und der RheinEnergie Stiftung von 2008 bis 2011 mit jährlich rund 400.000 Euro. Im Rahmen der Vierten Kölner Musiknacht im September 2008 präsentierte sich ON erstmals mit mehreren Konzertbeiträgen im Museum für Angewandte Kunst einer breiten Öffentlichkeit.

Ein weiteres Beispiel gibt die vom Musikreferat der Stadt initiierte „reiheM”, die als „Konzertreihe für Gegenwartsmusik, Elektronik und neue Medien” unterschiedlichste Kölner Akteure dieser Musikbereiche mit internationalen Künstlern in einer zentral beworbenen Konzertreihe präsentiert. Im Zwischenbereich von Freier Szene und fest durch Landes- und Stiftungsmittel finanzierter Einrichtungen bewegt sich das Ensemble musikFabrik, das seit 2002 in Köln und seit 2008 in neuen Räumlichkeiten im Mediapark ansässig ist und seit 2003 im Großen Sendesaal des WDR unter eigener Regie die Reihe „musikFabrik im WDR” mit jährlich fünf Konzerten veranstaltet. Die musikFabrik ergänzt damit die Konzertreihen des WDR mit neuer Musik: die seit 1951 bestehende Uraufführungsreihe „Musik der Zeit” und seit 2007 die neue Konzertreihe „Ensembl[:E:]uropa” der WDR-Redaktion für Neue Musik, bei der europäische Spitzenensembles der Neuen Musik im Großen Sendesaal des WDR mit ihrem spezifischen Programm gastieren und dabei immer auch das Werk eines Komponisten aus NRW uraufführen. Da es oft Werke von Komponisten aus Köln sind, die hier ihre Premiere erfahren, ist die Reihe zu guten Teilen auch eine Förderung der Kölner Freien Szene der komponierten neuen Musik.

Große Hoffnungen verbinden sich mit den Neubesetzungen der Kompositionsprofessuren an der Hochschule für Musik und Tanz Köln sowie mit der dort im Frühjahr 2009 formal vollzogenen Gründung eines Instituts für Neue Musik. Ein solches Institut kann ein wichtiges Instrument sein, die Neue Musik sowohl innerhalb der Hochschulausbildung besser zu verankern als auch mit geeigneten Partnern von außerhalb besser zu kooperieren, um die Neue Musik in Köln insgesamt stärker in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken. In der Vergangenheit war die Hochschule ein wichtiger Magnet für internationale Musikerpersönlichkeiten, die hier ihre Ausbildung erhielten, um anschließend als Akteure die Kölner Freie Musikszene zu bereichern. Dank eines Instituts für Neue Musik könnte die Musikhochschule für die Szene der Neuen Musik der Stadt erneut ein solcher Magnet werden.

Mittel und langfristig könnte in Köln ein Informations-, Produktions- und Präsentationszentrum für Neue Musik entstehen, wie es seitens der Kulturverwaltung bereits im Musikförderkonzept und im Kulturentwicklungsplan skizziert wurde. An einer solchen Stätte könnten verschiedene Aufgaben, Initiativen und Einrichtungen unter einem Dach zusammengeführt werden: das Netzwerk „ON – Neue Musik Köln”, das Ensemble musikFabrik, das historische Studio für Elektronische Musik des WDR, eine Abteilung für Organisation, Vermittlung, Konzertpädagogik und Marketing sowie neben Probenräumen auch ein multifunktional nutzbarer Aufführungssaal, in dem insbesondere auch Produktionen des neuen, experimentellen Musiktheaters erstmals in Köln einen angemessenen Ort finden könnten. Zukunftsmusik mit Bodenhaftung im Jetzt.

Harald Muenz (Komponist, bis 2002 im Vorstand der „Kölner Gesellschaft für Neue Musik”)
Rainer Nonnenmann (Musikwissenschaftler, seit 2008 im Vorstand des Netzwerks „ON – Neue Musik Köln”)
Juni 2009

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