Musik in Köln
Ein Projekt des initiativkreises freie musik (ifm) …




wer ist der ifm?
programm des ifm
spielstätten aktueller musik
über neue musik in köln
szene der improvierten musik
zur lage der alten musik in köln
musikförderkonzept der stadt köln
protokolle der ifm-sitzungen
ifm-logo
newsletter abonnieren




Initiativkreis Freie Musik (IFM)

Musikförderkonzept der Stadt Köln

IFM-Logo

1. Vorbemerkung
2. Ziele und Förderschwerpunkte
3. Situationsanalyse
4. Förderinstrumente
5. Vergabestrukturen


1. Vorbemerkung
Die Stadt Köln verfügt durch das Mit- und Nebeneinander verschiedener Institutionen (Hochschulen, Rundfunkanstalten, Gürzenich-Orchester, Oper Köln, Kölner Philharmonie) und der freien Musikszene über ein in ihrer Breite, Qualität und Dichte herausragendes Musikleben. Gerade die Vielfalt, Dynamik und Publikumsnähe der freiberuflichen professionellen Szene der aktuellen Musik (neue komponierte Musik und improvisierte Musik, Jazz, experimentelle Musik, elektronische Musik, Klangkunst) und der Alten Musik haben in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich zur Attraktivität und internationalen Ausstrahlung Kölns als Musikstadt beigetragen. Diese herausgehobene Stellung Kölns im deutschen und europäischen Musikleben ist seit Mitte der 1990er Jahre in zunehmendem Maße bedroht.

Die Erstellung des vorliegenden Konzepts gründet auf der Fassung des Musikförderkonzepts aus dem Jahr 2005, auf den seitdem stattgefundenen Recherchen und Gesprächen unter anderem im Initiativkreis Freie Musik mit verschiedenen Akteuren der freien Musikszene, auf dem Erfahrungsstand des Kulturamtes sowie der Fachberatung durch Maria Spering, Thomas Gläßer und Dr. Rainer Nonnenmann.

2. Ziele und Förderschwerpunkte
Das vorliegende Konzept bezieht sich auf die langfristige Förderung der freiberuflichen professionellen Musikszene mit den Bereichen Alte Musik, aktuelle komponierte und improvisierte Musik, elektronische Musik sowie Performance, interdisziplinäre Projekte und Klangkunst. Dafür soll eine transparente, differenzierte und kompetente Förderstruktur geschaffen werden. Die Förderung ist an die Kriterien der Qualität, Innovation, Vernetzung und Strukturbildung gebunden und erfolgt, sofern ein Vorhaben von überdurchschnittlicher künstlerischer, programmgestalterischer oder Musik vermittelnder Qualität ist, nachhaltige strukturelle Impulse für das Musikleben der Stadt erwarten lässt, durch Innovation und Originalität überzeugt, der übergreifenden Vernetzung oder Vermittlung des Musikschaffens ganzer Sparten oder sogar mehrerer Szenen dient.

2.1 Ziele
Köln soll seine führende Position unter den Musikstädten Deutschlands und des europäischen Auslands profilieren und stärken. Vorrangiges Ziel ist es deshalb, der Stadt Köln eine ihrem Ruf als Musikmetropole angemessene und ihrem Potential entsprechende Stellung im deutschen und europäischen Musikleben zu sichern. Hierzu leistet die freie Musikszene als Imageträger der Stadt einen wesentlichen Beitrag. Die freie Musikszene gilt zu recht als kreativ, innovativ und vielfältig. Sie ist der Bereich, von dem neue künstlerische Impulse und musikalische Tendenzen zu erwarten sind. Ziel ist es deshalb auch, die Bedingungen für ein produktives Umfeld zu stärken und eine kreative Atmosphäre zu schaffen. Köln soll zu einem Ort werden, an dem sich innovativ tätige Musiker, Gruppen und Ensembles ansiedeln, weil sie hier neben den nötigen Produktionsbedingungen eine junge und lebendige Kulturszene vorfinden, die inspirierend und anregend auf das eigene Schaffen wirkt. Dies ist ein nur bedingt kalkulier- und steuerbarer Prozess, da es letztlich darum geht, einen Freiraum für die Entstehung von Neuem und Unbekanntem zu schaffen. Eingedenk dieser Unwägbarkeit tragen die im Folgenden formulierten Teilziele auf doppelte Weise dazu bei, Köln eine führende Position unter den Musikstädten zu sichern und als Standort der Kulturwirtschaft zu stärken. Sie berücksichtigen einerseits die spezifische Situation der Musikszene und richten die vorhandenen Kräfte und Potentiale auf die Etablierung eines in seiner Form einzigartigen und überregional ausstrahlenden Musiklebens aus.

a) Erhaltung und Verbesserung des musikalischen Angebots und seiner Vielfalt: Präsentation herausragender Musik der lokalen Szene Kölns sowie regional und international bedeutender Gastspiele
b) Vermittlung und Kommunikation: Stärkung der vermittelnden Arbeit in den Bereichen freien Bildungsarbeit, Diskurs, Theorie, Kontextualisierung, Programmgestaltung, Verbesserung der Binnen- und Außenwahrnehmung der Kölner Musikszene und der Öffentlichkeitsarbeit (Pressearbeit, Terminkoordination und Terminankündigung, Werbung, Besprechung); Gründung eines Musikinformationszentrums.
c) Vernetzung und Kooperation: Förderung inhaltlicher, publikumswirksamer und ökonomischer Synergieeffekte durch lokale, regionale und internationale Kooperation von Institutionen, Szenen, Spielstätten, Veranstaltern etc. (Projekte, Reihen, Entwicklung spartenübergreifender Veranstaltungskonzepte, Symposien, Kongresse, Web-Plattformen, Koordinationsbüros).
d) Verbesserung der Produktionsbedingungen: Verbesserung der allgemeinen Arbeitsbedingungen der in Köln lebenden Musiker (Zugang zu Fördermitteln, Stipendien, Spielstätten, Beratung, Möglichkeiten zur Forschung und Entwicklung, Unterstützung bei Logistik, Terminplanung, Produktion, Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit) zur Stabilisierung, Belebung und Aufwertung der freien Musikszene.
e) Schaffung eines Zentrums neue Musik: Schaffung eines Zentrums neue Musik zur allgemeinen strukturellen Verbesserung der Musik in Köln und effektiveren Arbeit und Vernetzung der mit neuer Musik befassten Institutionen und Initiativen. Kernstück des Zentrums ist ein multifunktional nutzbarer Konzert- und Musiktheatersaal mit 300-500 Plätzen. Weitere Bausteine sind das Ensemble musikFabrik, das Studio für elektronische Musik des WDR, das Netzwerk ON – Neue Musik Köln, der Stadtgarten, die Kunsthochschule für Medien sowie ein noch zu gründendes Musikinformationszentrum. Das Programm des Zentrums ist stilistisch nicht gebunden und steht avancierten Produktionen aller Musiksparten offen, vorrangig aus den Bereichen der neuen Musik und des neuen Musiktheaters, der neuen Medien, des Jazz und der improvisierten Musik, aber auch der alten Musik. Mit dem überregional ausstrahlenden Zentrum, das ein Anziehungspunkt für alle kreativen Köpfe aus dem Bereich Musik und den angrenzenden Kunstsparten wäre, hätte Köln wieder ein Alleinstellungsmerkmal wie es das Studio für elektronische Musik des WDR einmal war.

2.2. Förderschwerpunkte
Die Förderung richtet sich besonders auf jene freiberuflichen professionellen Musikszenen (außer Rock- und Popmusik), in denen die bisher erreichte künstlerische Qualität und/oder das spezifisch interessierte Publikum, die internationale Ausstrahlung und/oder das Entwicklungspotential am größten sind. Das schließt alle denkbaren Besetzungsgrößen ein, vom Solorecital über kammermusikalische Formationen bis zu Orchestern und Chören. Daneben soll die Förderung auch verstärkt den Bereichen der Musikvermittlung (kulturellen Bildung), Vernetzung und Kooperation von Künstlern, Veranstaltern und Spielstätten des musikalischen bzw. interdisziplinären Experiments zugute kommen. Förderschwerpunkte sind:
a) Aktuelle Musik (neue komponierte und improvisierte Musik, neues Musiktheater) und ihre Vermittlung.
b) Alte Musik in authentischer Aufführungspraxis und ihre Vermittlung.
c) Musikalische Experimente (Konzepte, welche die Grenzen des klassisch-tradierten Musikdenkens überschreiten, sowie interdisziplinäre und plurimediale Ansätze) und deren Vermittlung.
d) Postgraduierte Nachwuchsförderung und Weiterqualifizierungsangebote in den genannten Bereichen sowie im Bereich der Klassik.

3. Situationsanalyse
Dass die herausgehobene Stellung Kölns im deutschen und europäischen Musikleben seit Mitte der 1990er Jahre in zunehmendem Maße bedroht ist, hat mehrere Ursachen. Zuvorderst steht der allgemeine Rückgang der öffentlichen Wahrnehmung von Live-Musik bei gleichzeitig fehlender Vermittlungstätigkeit und mangelnder Vernetzung und Kooperation zwischen Akteuren und Institutionen. Hinzu kommt der Konkurrenzdruck auf nationaler wie internationaler Ebene. Beispielsweise ist infolge des Hauptstadtkulturfonds, geringerer Lebenshaltungskosten und eines großen subkulturellen Humus die Attraktivität Berlins als Publikums- und Szenemagnet gestiegen, was zur Abwanderung in anderen Städten geführt hat. Außerdem ist Köln im Vergleich zu anderen Städten, die über neue Spielstätten und eine bessere Vernetzungen verschiedener Initiativen, Ausbildungs-, Forschungs- und Entwicklungszentren verfügen, zurückgefallen. Nationale Konkurrenten neben Berlin sind Stuttgart, Karlsruhe und Freiburg. Zu der nationalen kommt die internationale Konkurrenz hinzu, ausgelöst durch starke, zentrale Kultur- und Musikförderprogramme in europäischen Nachbarländern wie Frankreich (IRCAM, Cité de la Musique etc.), den Benelux-Staaten und Skandinavien (intensive Gastspielförderung, dichtes Netz lokaler Kultur- und Kunstzentren, Musikinformationszentren etc.). Weitere Aspekte sind die mangelnde Vermarktung und Binnen- wie Außendarstellung Kölns als Musikstadt von internationalem Niveau sowie die landeskulturpolitische Schwerpunktbildung im Ruhrgebiet (RuhrTriennale, Klavierfestival Ruhr, Kulturhauptstadt Essen 2010, Festival "open systems"). Als Reaktion auf das stagnierende bzw. sinkende finanzielle Engagement der Stadt für die musikalischen Aktivitäten der freien Musikszene drohte in den vergangenen Jahren eine weitere Reduktion der Förderung in diesem Bereich aus Landesmitteln, was stagnierende Musikerhonorare und schwindende Auftrittsmöglichkeiten in Köln zur Folge hatte. Schließlich machte sich als Kehrseite der Vielfalt eine Zersplitterung und Marginalisierung der Einzelszenen und ihres Publikums bemerkbar mit der Gefahr der Provinzialisierung auf Kosten künstlerischer und programmgestalterischer Erneuerung.

Trotz dieser Schwierigkeiten verfügt Köln nach wie vor über gute Strukturen und eine hohe musikalische Produktivität. Der Erhalt der außergewöhnlichen Attraktivität und Lebensqualität, die sich mit Kölns hervorragender Musikszene in der Vergangenheit verband und auch heute noch verbindet, ist ebenso wünschenswert wie realistisch. Im Einklang mit den musikalischen Einrichtungen der Stadt und des Landes bedarf es hierzu einer umfassenden kulturpolitischen Initiative, insbesondere zur Stabilisierung der freien Musikszene und der Erhaltung ihres innovativen Potentials.

4. Förderinstrumente
Ausgehend von der Situationsanalyse lassen sich im Hinblick auf die genannten Ziele folgende Förderinstrumente ableiten:

4.1 Projektförderung / Reihenförderung:
flexible, kurzfristige Förderung musikalischer Projekte von einzelnen Künstlern oder Ensembles sowie von Konzert-, Workshop- oder Vortragsreihen, Festivals oder Symposien inklusive projektbezogener Miet-, Personal- und Betriebskosten. Auch Förderung von Projektdokumentationen durch unterschiedliche Medien im Hinblick auf die kulturwirtschaftliche Bedeutung der Projekte.

4.2 Konzeptionsförderung:
Mittel- und langfristig angelegte Förderung a) zum Erhalt bestehender und zur Schaffung neuer nachhaltig wirkender bzw. übergreifender Strukturen einschließlich deren regelmäßiger Evaluation und Anpassung; b) zur Förderung längerfristig angelegter Entwicklungsvorhaben im künstlerischen, Musik vermittelnden und programmgestalterischen Bereich. Voraussetzung für die Konzeptionsförderung ist der Nachweis über eine konstante mehrjährige, musikalische wertvolle Produktion oder programmgestalterische Tätigkeit, eine damit verbundene künstlerische Profilbildung sowie eine tragfähige Organisationsstruktur. Konzeptionsförderungen werden in Form von institutioneller Förderung und für einen Zeitraum von maximal vier Jahren gewährt. Durch Festlegung einer Erstförderungsquote sowie durch die jährliche und zeitlich gestaffelte Vergabe der Mittel für jeweils ein, zwei oder vier Jahre werden Planungssicherheit für den laufenden Betrieb sowie eine ausreichende Variabilität und Flexibilität sichergestellt. Liegen nicht genügend qualifizierte Anträge zur erstmaligen Förderung von Konzepten vor, werden die hierfür vorgesehenen überschüssigen Mittel der Projektförderung zugeschlagen. Potentielle Konzeptionsförderungsempfänger sind Spielstätten, Ensembles, Initiativen zur Koordination und Vernetzung, Vereine etc.

4.3 Allgemeine Musikförderung
a) Internationaler Austausch (Unterstützung von Gastspielreisen, Zuschüsse zu Auslandsstipendien für Kölner Künstler und zu Residenzstipendien für ausländische Künstler, die in Köln arbeiten)
b) Allgemeine logistische und finanzielle Unterstützung (Infrastruktur, Probe- und Büroräume, Werbung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, gemeinsamer Newsletter und Internetauftritt aller Musikakteure)
c) Musikpreise und -stipendien, Vergabe von Kompositionsaufträgen und Aufführung der Werke durch das Gürzenich-Orchester nach Absprache
d) Engere Kooperationen zwischen den städtischen Institutionen und der freien Szene wären für beide Seiten sowohl in künstlerischer Hinsicht als auch im Hinblick auf die Erschließung neuer Publikumskreise von Vorteil: Produktions- und Spielstättenkooperationen mit der Oper Köln und dem Schauspielhaus (Werkstätten, Bühne, Probebühne) und der Kölner Philharmonie (mehr Freitermine, gemeinsame Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei gemeinsamen Projekten)

5. Vergabestrukturen
Die Fördermittel werden durch die Stadt Köln vergeben. Die praktische Vergabe der Fördermittel und die Umsetzung der Förderinstrumente erfolgt durch das Kulturamt. Das Musikreferat steht dazu im ständigen Dialog mit der freien Szene und wird bei der strategischen Ausrichtung der Förderung, der kurz- und mittelfristigen Festlegung von Förderschwerpunkten, der konzeptionellen und inhaltlichen Entwicklung und Festlegung langfristiger Ziele und der Weiterentwicklung von Förderinstrumenten durch einen fünfköpfigen Beirat beraten und unterstützt. Vier Beiratsmitglieder werden vom Initiativkreis Freie Musik (IFM) für die Dauer von zwei Jahren benannt und sollen die verschiedenen Musikstile und -richtungen der
a) neuen Musik,
b) der elektronischen Musik,
c) der improvisierten und Jazzmusik und
d) der Alten Musik repräsentieren und inhaltlich vertreten. Ein Beiratsmitglied wird vom Kulturamt benannt. Der Beirat tritt mindestens zweimal jährlich zusammen, um über die kurz-, mittel- und langfristigen Förderschwerpunkte und Ziele zu beraten und Empfehlungen auszusprechen.

Stand Juni 2008

Aktuell

Kölner Musiknacht 2017
30. September 2017
Bild
Die Kölner Musiknacht 2017 kommt im Vergleich zu den vergangenen Musiknächten extrem reduziert daher, was die Anzahl der Konzerte angeht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der ifm entschieden hat, die Ausübenden zumindest annähernd angemessen zu bezahlen. Weiterlesen...
Weitere Themen

Licht: Romanischer Sommer Köln
21. bis Fr. 23. Juni 2017…


In eigener Sache
Hausputz: Gute Vorsätze für 2017…


Von 17 Uhr bis Mitternacht
Kölner Musiknacht (17.9.2016) …


orgel-mixturen 2016
12. Int. Festival für zeitgenössische Orgelmusik…


Brückenmusik 22: Michaela Melián, Barkarole
11.-17. Juli 2016…


Acht Brücken 2016
Musik und Glaube…


Jüdische Identitäten
Forum neuer Musik 2016 des DLF…