Musik in Köln
Ein Projekt des initiativkreises freie musik (ifm) …

Initiativkreis Freie Musik (IFM)

Förderung der Spielstätten für Aktuelle Musik

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Abstract: Seit den 1950er Jahren sind in Köln die freien Spielstätten wichtige Brut- und Begegnungsstätten der verschiedenen Sparten der Aktuellen Musik, und zwar sowohl für Musiker als auch für Hörer jeden Alters. Seit einigen Jahren jedoch verschlechtern sich die Rahmenbedingungen der freien Spielstätten, Sponsoren sind kaum mehr zu finden und die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ziehen sich zurück. In Abhängigkeit von Profil, Kontinuität und Quantität der veranstalteten Konzerte benötigen die freien Spielstätten dringend eine langfristige Konzeptionsförderung, die ihnen Planungssicherheit, das Aufrechterhalten und die Weiterentwicklung ihres jeweiligen künstlerischen Profils ermöglicht.

Zur Situation

Die Situation der freien Spielstätten für Aktuelle Musik ist bedrohlich. Im vergangenen halben Jahrhundert bildeten diese Spielstätten das Rückgrat der Aktuellen Musik. Hier wurden die verschiedenen Musikstile von Jazz, ambitioniertem Pop und Rock bis hin zu elektronischer Musik „erforscht”, entwickelt und einem interessierten Publikum präsentiert. Hier haben und hatten alle Musikerinnen und Musiker ihre ersten Auftritte, und hier haben und hatten Jugendliche und Erwachsene oft ihre erste Begegnung mit „handgespielter” Musik.

Immer mehr dieser Spielstätten ändern ihre Programme zu Gunsten preiswerterer Party-Veranstaltungen oder schließen ganz. Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Die öffentlich-rechtlichen Rahmenbedingungen für den Betrieb haben sich in den vergangenen Jahren verschlechtert (u.a. „Ausländersteuer”, Emissionsschutzgesetze, Künstlersozialabgabe).
  • Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, früher als Erwerber von (Sende)Rechten die wichtigsten Partner der Spielstätten, ziehen sich immer mehr aus diesem Bereich zurück, oft zugunsten von internationalen Festivalereignissen.
  • Unternehmen reduzieren ihre Ausgaben für Sponsoring und konzentrieren ihre verbleibenden Mittel oft auf das populärere Feld des Sports.
  • Die Präsentationsform „Live gespielte Musik” wurde in den Massenmedien (Viva, MTV u.a.) verdrängt zugunsten einer „Clipkultur” mit Musikgruppen, bei denen das äußerliche Erscheinungsbild wichtiger ist als musikalische Kompetenz.
  • Die Generation der Gründerväter und -Mütter, lange angetrieben vom „Founder’s Fever”, zieht sich zurück, teils altersbedingt, oft überschuldet, frustriert und ohne Perspektive. Nachfolger sind aus den genannten Gründen kaum vorhanden.

Da die Präsentation von live gespielter Musik unterhalb einer bestimmten Größenordnung nie kostendeckend war und sein kann, ist der Beweggrund für Musiker und Veranstalter nicht wirtschaftlich motiviert, sondern immer idealistisch. Dennoch wurde dieser Bereich in der Bundesrepublik bisher nicht öffentlich gefördert. Allenfalls auf Landes- und kommunaler Ebene wurden begrenzte Projektkostenzuschüsse gewährt. In Köln kommen zum ersten Mal seit 2007 zwei Musik-Spielstätten („Loft” und „Stadtgarten”) in den Genuss einer städtischen Konzeptionsförderung. Während in anderen Ländern bereits seit Jahrzehnten die Förderung dieser Clubkultur als öffentliche Pflichtaufgabe verstanden wird (in der Dänischen Verfassung gibt es seit 2000 sogar die Verpflichtung zur öffentlichen Förderung von Spielstätten für „rhythmische Musik”), besteht in Köln, in NRW, wie auch in der ganzen Bundesrepublik, ein großer Nachholbedarf.

Fördermöglichkeiten

Wichtig ist, die noch vorhanden Spielstätten bei ihrem Überlebenskampf und der Finanzierung ihrer Konzertprogramme zu unterstützten, um damit dazu beizutragen, den Fortbestand und die Weiterentwicklung der Aktuellen Musik im Land zu ermöglichen. Statt nur einzelne Projekte zu unterstützen bedarf es einer Konzeptionsförderung, die auch den Spielbetrieb als solchen unterstützt, wobei die Vergabe der Mittel an Spielstätten abhängig gemacht werden sollte von deren jeweiligem künstlerischen Profil, ihrer Kontinuität bezüglich der Präsentation Aktueller Musik und der Höhe ihrer bisherigen Konzertfrequenz. Anzustreben ist eine öffentlich finanzierte Konzeptionsförderung in Höhe von 25% der Gesamtkosten des jeweiligen Konzertbetriebs und zusätzliche Projektkostenzuschüsse auf Basis einer mittelfristigen Planungsperspektive. Zusätzlicher Bestandteil der Förderprogramme sollten Maßnahmen sein, die die Spielstätten zur Planung gemeinsamer Projekte und Initiativen, vor allen Dingen im Bereich von Kommunikation und Marketing, ermutigen.

Darüber hinaus ist von großer Bedeutung, die Entstehung neuer Spielstätten von städtischer Seite aus aktiv zu begleiten und zu unterstützen. Besonders in den Bereichen „Landesemissionsschutzgesetz”, „Versammlungsstättenordnung” und „Baurecht” muss es darum gehen, die existierenden Ermessensspielräume zu Gunsten dieser kulturwirtschaftlichen Aktivitäten und nicht gegen sie – wie es in Köln bisher leider gängige Praxis ist – zu nutzen. Die Anzahl, die Vitalität und die Anziehungskraft der Musik-Spielstätten in Köln entscheiden über den Status des Musikstandortes Köln im Wettbewerb mit den anderen Musikmetropolen Europas.

Das vom Rat der Stadt Köln im September 2008 verabschiedete Musikförderkonzept weist hier den richtigen Weg und bietet hierzu die geeigneten Instrumente. Darum muss es jetzt umgesetzt und mit entsprechenden Mitteln ausgestattet werden.

Reiner Michalke (Programmchef des Kölner Stadtgartens)

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